00:13
Herzlich Willkommen zum SF-Krimi-Podcast. Es ist eine Vollmondnacht, das heisst Zeit für neue, gruselige Geschichten hier bei uns. Mein Name ist Rolf Ramel und bei mir ist die Frau, die mir jetzt sagt, was ihr grösster Horror im Hörspielstudio ist, Susanne Jansson.
00:32
Hallo Wolfram, den größten Horror im Holzspielstudio, den haben wir zum Glück verlassen, das war nämlich im alten Studio, oben auf dem Basler Bruderholz, weil da war das ja im zweiten Stock im Keller, nicht weit weg von dem Luftschutz- oder Zivilschutzbunker, wo es wirklich stillgelegte Duschen aus den 70ern gab, ganz, also noch so mit...
00:52
alten Badelatschen und Deo-Sprays stand dort rum. Und wenn man dort unten auf dem WC war, vorzugsweise am Freitagabend, gab es einen Bewegungsmelder, auch auf dem Klo, der dann einfach mitten im Geschäft ging das Licht aus und man konnte es auch mit Bewegung nicht mehr aktivieren. Also man saß dann auf, ich saß auf dem WC, wild mit den Armen gewedelt, aber es blieb einfach stockgeräusch. dunkel. Und das war dann doch ein bisschen Horror.
01:23
Hast du da was gehört? Vielleicht ein fieses Lachen?
01:26
Möglicherweise, aber ich glaube, das habe ich verdrängt. Hast du fies gelacht?
01:32
Ich habe sicherlich nicht am Freitagabend gewartet, bis du aufs WC gehst, um dann fies zu lachen in den Gängen. Tief unter der Erde im Hörspielstudio.
01:41
Mein Horror ist unter anderem, wenn man Hörspielregime führt. Da hat man einen Text, der auch dramaturgisch begleitet und bearbeitet wurde. Oftmals von einem selbst als Hörspielregisseur. Und wenn dann die Schauspieler anfangen, in dem Textraum zu kretteln. Das ist für mich so ein kleiner Horror. Ja, man möchte doch einfach jetzt die Sachen möglichst gut umsetzen. Und am aller Schlimmsten ist es natürlich, wenn sie da noch recht haben.
02:07
Ja, ich würde nicht zu tief einsteigen, aber wenn auch so Rückfragen kommen, wie das ist doch von der KI geschrieben, oder? Ja, du hast schon recht, da sträubt es sich ein bisschen.
02:17
Das Schöne ist ja beim Krimi-Podcast, wir steigen immer wieder in die Archive, schauen, was früher gemacht wurde. Heute mit dem dritten Fall vom Verzählst du das dem Ferimer. Der spielt auf einem Filmset und der Regisseur hat es genau mit etwas Ähnlichem zu tun.
02:33
Ich finde, er ist ganz schön hart. Genau, wir haben euch versprochen, wir bringen die Feri-Mar-Folgen chronologisch. Das ist Folge 3 aus dem Februar 54. Und du hast gesagt, es ist ein Dreh. Es ist auch ein spezieller Dreh.
02:45
Genau, die müssen einen Gruselfilm machen. Ich finde den Plot eigentlich noch ganz lustig. Ich möchte ihn jetzt nicht verraten. Leute verkleiden sich als Gespenster, echte Gespenster. Treten auf.
02:58
Auf eine Sache wollen wir euch noch hinweisen. Es ist eine alte Produktion, 1954, ich habe es gesagt. Dementsprechend gibt es darin Sprache, die einfach nicht gut gealtert ist.
03:06
die politisch nicht korrekt ist und diskriminierend. Es gibt eine Geschichte, die spielt in Spanien. Dort tritt eine Wahrsagerin auf und die wird wiederholt nicht korrekt bezeichnet. Bitte seht das dieser alten Produktion an der Stelle nach.
03:20
Dann wünschen wir viel Vergnügen mit der dritten Ausgabe von Verzähl du das dem Ferimar der Dreh.
03:27
Viel Spaß.
03:41
Studio Basel präsentiert Verzähl du das im Ferima In den Hauptrollen Gisela Uhlen, Wolfgang Kieling, Raimund Bucher, Wolfgang Jarnach und Fritz Lehmann Buch Werner Wollenberger Mitautoren Hans Hausmann und Kurt Nachmann Musik Hans Möckel Regie Hans Hausmann Alle Gestalten dieser Produktion sind frei erfunden.
04:33
Jede Ähnlichkeit mit lebenden oder toten Personen sowie mit wirklichen Vorfällen ist reiner Zufall.
04:52
Danke. Ton in Ordnung. Ton in Ordnung. Danke. Klappe bereit. Klappe. Bitte Ruhe, wir drehen. Kamera ein.
05:20
Knappe! Der Tod kam als Gespenst.
05:23
107 zum neunten Mal. Uhren, Bucher, Kieling.
05:28
Los, Dialog.
05:30
Matthias, hast du das gehört?
05:32
Was?
05:33
Da hat doch jemand gelacht.
05:34
Gelacht? Lass dich nicht auslachen.
05:36
Doch, ganz sicher. Ich habe es ganz deutlich gehört. Es muss irgendwo im Gang draußen gewesen sein. Es war, es war grauenhaft.
05:43
Aber Liebes, schau, du bist heute... Heim!
05:51
Nein, nein, nein!
05:55
Herr Kieling, also wie oft muss ich Ihnen noch sagen, Sie sollen unheimlich lachen? Das ist doch überhaupt nichts. Das ist gewirrt, das ist laut gelächelt. Ich weiß nicht. Ich finde es unheimlich. Ich finde es unheimlich, dass Sie das unheimlich finden.
06:12
Dreiunddreißig Mal habe ich es Ihnen vorgemacht.
06:14
Ja, und jedes Mal anders. Ich habe so gelacht. Ich habe so gelacht. Ich habe gelacht wie eine alte Engländerin. Wie ein trunkener Kapitän. Wie ein Eunuch. Ich habe gelacht wie eine Lachmöwe. Wie eine Hyäne. Wie ein Pferd. Ich sage Ihnen, ich habe nichts mehr zu lachen. Mein Lachen ist erschöpft. Ich kann nur noch ganz trocken lachen. Mein lieber Herr Kieling.
06:38
Das ist ein Gespensterfilm. Sie sollen also nicht lachen wie eine Hyäne, wie eine Lady oder wie ein Matrose. Sie sollen lachen wie ein Gespenst.
06:46
Haben Sie schon einmal Gelegenheit gehabt, ein Gespenst lachen zu hören?
06:50
Womit habe ich das verdient? Sagen Sie mal, haben Sie denn überhaupt keine Fantasie?
06:55
Ungefähr so viel wie der Drehbuchautor. Was wollen Sie damit sagen? Ich wollte damit sagen, dass ich keine habe. Fast keine. Das ist zu viel, Herr.
07:03
Schließlich habe ich am Buch mitgearbeitet. Eben. Herr Kehling, ich verlange eine Erklärung.
07:07
Chef, sollten wir nicht weitermachen.
07:09
Ruhe!
07:11
Also, Herr Kehling. Wenn es sein muss, dann erkläre ich Ihnen hiermit in aller Form, dass ich... Wolfgang, lass doch. Denk an die Gage und schweig. Nein, jetzt habe ich nämlich genug. Seit drei Wochen drehen wir an diesem blödsinnigen Geisterfilm und seit drei Wochen dreht es mir bei jeder Szene den Magen neu um. Ich habe ja schon gewaltigen Bruch gespielt, aber einen solchen Dreck noch nie!
07:31
Ich habe Dreck verstanden. Jawohl, einen Dreck haben Sie verstanden. Das dürfte genügen. Mir nicht. Ich will jetzt endlich einmal sagen, was ich von Ihrem blödsinnigen Tod, der als Gespenst kommt, halte. So viel. Haben Sie eine Lupe, ja? Dann können Sie es eventuell sehen.
07:42
Entschuldigen Sie, es ist heute etwas nervös. Den ganzen Tag Probe und jetzt auch noch Nachtaufnahmen.
07:46
Was heißt denn hier nervös? Ich bin überhaupt nicht nervös. Ich bin nur aufrichtig. Ich sage nur, was alle hier in diesem Filmstudio denken.
07:54
Gib's doch zu, Gisela, dass wir uns jetzt... Ja, also, wenn ich ehrlich bin... Und du, Raimund, sag's doch.
07:59
Ja, also... Nicht wahr? Ich meine, wenn man die Geschichte näher betrachtet, dann ist sie natürlich reichlich schwach.
08:05
Was heißt reichlich schwach? Überhaupt nichts ist sie. Wer will denn so etwas heutzutage noch wissen? Ein altes Schloss mit einem jungen Grafentöchterlein, das sich in einen anderen Schlossbesitzer verliebt und der Lebenmuller verkleidet sich als Gespenst und geht durch die Gänge und will die beiden erschrecken und dann schießen sie auf ihn und dann kommt er wirklich als Gespenst. Das ist doch blödsinnig. Da lachen ja die Zwölfjährigen. Das ist doch nur für etwas hervorragende Halbidioten etwas. Schiff, sollten wir... Ruhe!
08:31
Und was schlagen Sie vor?
08:32
Also schauen Sie, wir haben unter uns schon ein paar Mal darüber gesprochen. Wir glauben, es müsste etwas Moderneres sein. Sie verstehen etwas, was möglich sein könnte, etwas Unheimliches, das sich wirklich ereignen könnte. Nicht so dummes Zeug mit Geistern in weißen Leintüchern und mit glühenden Spinnenfingern.
08:47
Ach, Sie meinen vielleicht eine Gespenstergeschichte aus unserer Zeit?
08:51
Nein, eben keine Gespenstergeschichte, nichts mit einem Geist oder so etwas ähnlichem, sondern eine von diesen Geschichten, die jeder von uns einmal erlebt hat und von der er nachher nicht weiß, ob sie eine Täuschung war oder ein Zufall oder eben doch etwas, was aus Bezirken kam, die wir nicht oder noch nicht kennen. So etwas.
09:10
Und ist jemandem von den Herrschaften eventuell sowas bekannt? Und ob? Ach, seht einmal an, der Herr Hofschauspieler als Geisterseher.
09:17
Witzeln Sie nur. Wenn ich Ihnen erzählen würde, was mir passiert ist, dann möchten Sie es vielleicht doch lieber sein lassen. Doch erzählen Sie ruhig.
09:23
Nach dem, was ich während dieses Films erlebt habe, graust mir vor gar nichts mehr.
09:26
Erzähl doch, Wolfgang.
09:27
Ja, ich weiß nicht, es ist immerhin...
09:29
Doch erzähl, Wolfgang. Vielleicht sieht es dann ein, wie man solche Dinge behandeln sollte.
09:33
Ich bin gespannt. Man lernt immer gern zu. Also gut, dann fange ich an. Augenblick.
09:38
Hallo! Scheinwerfer aus! Zehn Minuten Pause! Jetzt sollten wir... Ruhe! Verrutschen wir die Kamera nicht, sonst können wir nachher wieder stundenlang die Einstellung suchen.
09:49
Okay.
09:50
Also, Wolfgang, fang schon an, ja?
09:53
Gut. Das war in Deutschland nach diesem letzten Krieg. Das Land war ein einziges großes Durcheinander. Die Bahnhöfe waren zerstört, die Häuser lagen in Trümmern, die Theater waren ausgebrannt, nur sie wissen ja alle, wie das war. Wir hausten zu dritt in einem verlassenen Dorf in den Bayerischen Alpen. Ein Kollege von mir hatte dort so etwas wie ein Ferienhaus aus besseren Tagen. Dort saßen wir, sprachen von Stücken, Rollen und Inszenierungen, führten wilde Diskussionen über die Frage, ob der Hamlet von einem Mann oder von einer Frau gespielt werden solle und langweilten uns im Grunde entsetzlich.
10:27
Bis zu jener Nacht.
10:40
Meine Kollegen waren ausgegangen. Ich lag schon im Bett und las, als es plötzlich an die Türe klopfte. Zuerst glaubte ich, mich getäuscht zu haben. Aber dann wiederholte es sich etwas stärker. Weil ich dachte, es seien meine Kollegen, die den Schlüssel vergessen hatten, ließ ich mir Zeit mit dem Aufstehen. Das Klopfen nahm zu. Und dann mischte sich auch eine Stimme hinein, eine fremde, von grauenhafter Angst erfüllte Stimme.
11:06
Moment, mit Schweden, machen Sie auf! Machen Sie auf!
11:10
Jetzt beeilte ich mich. Mit ein paar Sätzen war ich an der Haustüre, hörte noch, wie der Mann draußen sagte...
11:15
Rasch! Rasch!
11:17
Und dann... Zwei Schüsse. Und dann nichts mehr. Vorsichtig öffnete ich die Türe, schaute hinaus und da war niemand...
11:37
Mir war nicht wohl, aber trotzdem begann ich, den Garten nach Spuren abzusuchen. Ich fand zu treten es Gras, Schritte in einem Beet und dann einen Hut. Ich hob ihn auf, zündete ein Streichholz an, um ihn besser sehen zu können und erschrak tödlich, als jemand neben mir flüsterte, Haben Sie ihn gesehen? Wen? Den anderen. Wer sind Sie eigentlich?
12:03
Ich bin... Haben Sie sicher niemand außer mir gesehen? Nein. Nein. Haben Sie so geklopft? Ja. Es tut mir leid, wenn ich Sie gestört habe, aber er war ganz dicht hinter mir.
12:16
Wer?
12:17
Der andere. Er hat mir ja gesagt, dass er mich erwischen wird. Diesmal hätte er mich fast gehabt.
12:23
Was will er denn von Ihnen?
12:24
Was er von mir will? Sie haben es ja gehört, was er von mir will. Darf ich ins Haus kommen? Vielleicht steht er jetzt irgendwo neben uns und zielt schon wieder.
12:37
Gut, dann kommen Sie eben mit. Sie sehen nicht so aus, als ob ich Sie hier herumstehen lassen könnte. Kommen Sie.
12:43
Ich bin Ihnen sehr dankbar, auch wenn es nur eine Weile hilft.
12:48
Musik
13:03
Im Haus schaute ich mir den sonderbaren Mann etwas näher an. Er war sehr klein, sehr blass und sah ganz so aus, als ob er jeden Augenblick vor Erschöpfung zusammenbrechen würde. Ich setzte ihn an den Tisch und er starrte eine ganze Weile einfach so vor sich hin. Erst als ich ihm einen Schnaps eingeschenkt hatte, begann er auf einmal ganz unaufgefordert und mit sehr leiser Stimme zu reden.
13:26
Ich weiß, dass er mich erwischen wird. Von Anfang an wusste ich es. Aber ich habe es nicht geglaubt, als er es sagte. Weil ich es nicht glauben wollte und schließlich auch nicht glauben konnte. Aber jetzt weiß ich es. Jetzt weiß ich, dass ich ihm nicht entgehe. Ich will auch gar nicht mehr. Ich bin viel zu müde dazu.
13:42
Von wem reden Sie eigentlich?
13:45
Es hilft Ihnen schon der Name. Es ist gar kein besonderer Name. Walter Müller, wenn Sie es wissen wollen. Und was ist mit ihm? Er sucht mich.
13:55
Er hetzt mich. Durch ganz Deutschland hat er mich gehetzt. Und jetzt hat er mich. Von hier komme ich nicht mehr weg. Es nützt auch nichts. Wo immer ich hinkomme, er ist schon dort.
14:03
So, jetzt erzählen Sie mal der Reihe nach. Wer ist dieser Müller? Was hat er gegen Sie und weshalb sind Sie hier?
14:09
Es nützt zwar gar nichts, aber warum sollte ich es Ihnen nicht erzählen? Dürfte ich jetzt noch etwas zu trinken haben?
14:17
Gerne.
14:22
Zuerst hat er mich aus Hamburg verjagt. So wissen wir unregelmäßig die Züge fahren. Mich nahm ein amerikanischer Soldat im Jeep mit. Bis Düsseldorf, dort gingen wir zusammen in ein Bumslokal und tranken ein bisschen zusammen. Ich war froh, dass ich ihm entwischt war. Ich trank immer mehr und gerade, als ich dem Amerikaner mit einem neuen Glas zuprostete, trat er unter die Türe, schaute sich um, erblickte mich und lächelte.
14:51
Da stand er und lächelte sein dreckiges Lächeln in dem dreckigen Gesicht mit dem roten Fleck zwischen den Augen.
14:59
Mit dem roten Fleck zwischen den Augen?
15:02
Ja. Dann stand ich auf und rannte zur Hintertüre.
15:05
Hey, where are you going?
15:08
Ich gab keine Antwort. Ich raste davon und schlich ums Haus und zum Jeep und hetzte davon.
15:21
Gegen Morgen war ich in Frankfurt und hielt vor einem kleinen Hotel. Den gestohlenen Jeep ließ ich ein paar Straßen weiter stehen.
15:28
Im Hotel verlangte ich müde ein Zimmer.
15:30
Wir haben noch ein Bett frei in einem Doppelzimmer. Von mir aus. Darf ich Sie bitten, sich hier einzuschreiben?
15:37
Geben Sie her, wo?
15:38
Hier.
15:41
Sagen Sie mal, wer ist denn außer mir noch in dem Zimmer?
15:45
Morgen, sehr netter Mann. Gewisser Müller aus Hamburg.
16:01
Ich ging trotzdem hinauf. Schließlich Müller kann jeder heißen. Aber Sie werden es nicht glauben. Er war es. Er war schon oben im Zimmer, saß auf dem Bett und wartete auf mich. Ich drehte mich um und rannte direkt auf den Bahnhof und erwischte gerade noch den Nachtzug nach München. Er war überfüllt und ich fand nur noch einen Stehplatz. Aber ich war so müde, dass ich im Stehen einschlief.
16:27
So nach einer Stunde wachte ich auf. Ich hatte das Gefühl, es beobachte mich jemand. Ich blinzelte schläfrig in den Gang. Das helle Licht des Tages tat mir weh. Und dann war ich doch mit einem Schlag hellwach. Denn am anderen Ende des Ganges stand lächelnd.
16:42
Er.
16:53
Und so ging es weiter. In München stand er pfeifend vor der Bahnsperre. In Hanau, wohin ich anschließend fuhr, war er auch schon. In Nürnberg trat er von hinten auf mich zu und bat um Feuer. In Stuttgart saß er schon in einem Taxi, in das ich steigen wollte. Überall war er schon vorher. Überall tauchte er auf. Lächelnd, die eine Hand in der Tasche, den roten Fleck zwischen den Brauen. Lächelnd, pfeifend, unheimlich, unerbittlich. Überall hin hat er mich gehetzt.
17:19
Jetzt kann ich nicht mehr weiter. Hier oben hören die Wege auf. Hier oben erwischt er mich. Sie haben es ja vorhin selber gehört. Er hat geschossen. Er hat mich nur verfehlt, weil er mich verfehlen wollte.
17:30
Weil er mich noch eine Weile quälen will, bis er...
17:32
Was hat er denn eigentlich gegen Sie?
17:35
Was er gegen mich hat? Nun, ich habe ihn...
17:55
Hinter der zerschlagenen Fensterscheibe war über dem Revolver, der sich durch die Lücke gebohrt hatte, für einen Moment das lächelnde Gesicht eines Mannes mit einer kleinen, kreisrunden, roten Wunde zwischen den Brauen zu sehen gewesen. Der Mann am Tisch war lautlos in sich zusammengesunken und das Schnapsglas zersplitterte auf dem Boden.
18:16
Einen Augenblick lang stand ich regungslos. Dann sprang ich mit einem Satz zum Fenster und riss es auf. Draußen war niemand und auch nicht die kleinste Andeutung von Spuren war vorhanden. Nirgends, so sehr ich auch suchte. Gerade als ich zum Telefon gehen wollte, um die Polizei zu verständigen, klopfte es an die Türe.
18:36
Als ich öffnete, stand draußen in der Dunkelheit ein Mann mit einem Revolver.
18:44
Ich habe mich beeilt.
18:45
Was ist denn los bei Ihnen?
18:47
Ach, Sie, Herr Wachtmeister. Woher wissen Sie denn, dass bei mir etwas los ist?
18:51
Man hat uns angerufen. Vor ungefähr einer halben Stunde.
18:54
Wer?
18:55
Nach irgendeiner von Ihren Kollegen. Ein Herr Müller oder so. Was? Ich dachte schon, es sei ein schlechter Scherz. Aber da vorhin die Schüsse. Also was ist los?
19:04
Ja, kommen Sie hier links in der Wohnstube.
19:14
Der ist ja nun wohl typisch tot.
19:17
Ja. Wer ist es denn? Keine Ahnung. Er kam ganz plötzlich, saß eine Weile da und wurde dann durch das Fenster erschossen.
19:28
Wir wollen einmal sehen, um wen es sich handelt. Haben Sie einen Taschendurch da?
19:32
Ja, natürlich.
19:33
Da legen Sie die Sachen, die ich ihm jetzt abnehme, darauf. Rühren Sie sie aber nicht an. Ja. Geld, 30 D-Mark, 10 Dollar, Kleingeld. Fahrschein Nürnberg-München, unbenutzt. Und hier ein Zeitungsausschnitt mit einer Fotografie.
19:55
Darf ich sehen? Bitte.
19:57
Ja, aber das ist ja der Tote selber. Offensichtlich. Aber lesen Sie doch einmal, was darunter steht.
20:05
Das Polizeikommando Hamburg hat eine Prämie von 3000 Mark für sämtliche Nachrichten, die der Ermittlung des 29-jährigen Willi Bögemann dienen, ausgeschrieben. Bögemann ist flüchtig, seit er vor drei Wochen im Laufe einer heftigen Auseinandersetzung in einer Hamburger Bar den 33-jährigen Walter Müller erschossen hat.
20:53
Was sagen Sie jetzt, Herr Regisseur?
20:56
Wollen Sie das wirklich wissen?
20:57
Bitte.
20:59
Also, dann hören Sie gut zu.
21:01
Ich sage Quatsch. Wie bitte? Quatsch. Ich höre immer Quatsch. Sie hören richtig. Aber wenn es Ihnen lieber ist, dann kann ich ja auch deutlicher werden. Werden Sie. In diesem Falle darf ich Ihnen sagen, dass ich das alles für ausgereiften Mist halte. Solche Geschichten können Sie erzählen, wem Sie wollen, nur nicht mir.
21:20
Sie glauben also unter keinen Umständen an solche Dinge?
21:23
Nein. Angenommen, es käme jetzt in dieses Studio ein regelrechtes Gespenst. Was würden Sie tun?
21:30
Ich würde es bitten, sich zu unterlassen. Und wenn es trotzdem da bliebe? Würde ich ihm erklären, aus welchem Grunde es nicht existieren kann. Ich würde ihm sagen, dass Geister, Gespenster, Erscheinungen und ähnliches Zeug a. ein Ding der Unmöglichkeit und b. in einem Filmatelier besonders fehl am Platze sind. Außer natürlich, wenn man einen Gespensterfilm dreht. Für das Publikum ist ja nichts blöd genug. Erfreuliche Mentalität.
21:52
Chef, darf ich Sie daran erinnern, dass Sie gearbeitet werden sollen, auch wenn es nur abwechslungshalber wäre? Meine Kamera braucht Futter. Sie haben recht, Boris.
22:01
Los, Scheinwerfer ein, Ton, Kamera. Sie läuten also konsequent die Möglichkeit von Ereignissen, die wir weder verstehen noch... Frau Ulm, geben Sie sich bitte keine Mühe, wenn Sie den Anschluss an das 20. Jahrhundert verpasst haben. Ich habe ihn erwischt, ja?
22:16
Na komm, lass doch, Gisela, bei dem ist jedes weitere Wort für die Katze.
22:21
Mein Gott, was ist denn mit Ihnen los, Boris? Haben Sie gesagt Katze? Ja, und? Schädlich.
22:28
Was ist denn in der Katze Schreckliches?
22:30
Nichts, nichts. Ich weiß es. Es sind sehr liebe Tierchen, goldige Tierchen. Reizende Viecher. Nur, dass Herr Kieling in dem Moment davon anfangen musste...
22:39
Er hat ja gar nicht davon angefangen. Er hat doch nur gesagt, dass es für die Katze ist, wenn man mir Gespenstergeschichten erzählt.
22:45
Aber nicht, wenn ich Ihnen die von der Katze erzähle.
22:48
Von welcher Katze?
22:49
Von der Weißkatze.
22:51
Von einer schneeweißen mit gelben Augen. Das müssen Sie uns noch rasch erzählen. Ich weiß nicht. Eigentlich wollten wir ja... Was meinen Sie, Chef?
23:01
Ja, so legen Sie halt los. Nachdem wir schon mal mit dem Blödsinn angefangen haben.
23:06
Scheinwerfer aus! Können Sie nicht wenigstens einen Scheinwerfer anlassen?
23:10
Ich fürchte mich sonst. Darf ich vielleicht meinen Arm um Sie legen? Nein, so schlimm ist es auch wieder nicht. Aber wenn Gisela vielleicht so nett sein möchte.
23:18
Wenn es dir hilft. Also los!
23:22
Gut. Oder besser gesagt, ungut. Ich erinnere mich noch ganz genau. Es war so.
23:36
Musik
23:45
Als Karol Rieth seinen dritten Mann in Wien drehte, war ich zweiter Mann, zweiter Kameramann nämlich.
23:54
Es war eine schöne Zeit, besonders schön war sie, weil ich Hilde kennenlernte. Besser gesagt, Hilde und Michael. Hilde war Script Girl für die deutschen Sequenzen des Filmes und Michael war ihr Freund, ein stiller, etwas sonderbarer junger Mann, der eben erst aus der Gefangenschaft zurückgekehrt war und ein bisschen ziellos in den Tag hinein lebte. Hilde behauptete, er male, aber sicherlich hat auch sie nie ein Bild von ihm zu sehen bekommen. Nun, das ist auch nicht so wichtig.
24:22
Wir drei wurden gute Freunde und saßen oft abends nach den Dreharbeiten noch ein bisschen zusammen. Einen dieser Abende werde ich nie mehr vergessen, denn an ihm begann die ganze grauenvolle Geschichte.
24:35
Es war in irgendeinem dieser kleinen Weinlokale. Wir tranken billigen Wein und ein paar Musiker quälten sich mit ihren Instrumenten herum.
24:43
Musik
24:50
Du lieber Gott, spielen die mies. Das kann man wohl sagen. Die Schuhe kann es einem bei der bändigen Leib ausziehen. Das müsste die Polizei einschreiten.
24:58
Findest du nicht auch, Hilde?
25:01
Hm? Ich sage, die Polizei müsste einschreiten.
25:04
Die Polizei?
25:05
Was ist denn heute mit dir los, Hilde?
25:08
Ja, was soll denn mit mir los sein?
25:09
Ich finde auch, du bist so still heute. Hast Ärger gehabt?
25:13
Aber nein.
25:14
Komm, komm, komm. Sei nicht dumm. Erzähl uns, was dich plagt. Aber...
25:18
Es ist ja nichts. Es ist wirklich zu blöd. Ihr werdet mich auslachen.
25:22
Du warst doch ab. Erzähl zuerst.
25:25
Tja, also... Es ist... Also, ich habe nämlich geträumt.
25:31
Das soll vorkommen.
25:32
Nein, nein, es war ein ganz wunderbarer Traum. Den ganzen Tag läuft er mir nach.
25:35
Dann erzähl ihn und du bist ihn los.
25:39
Gut. Also, ich habe geträumt, ich gehe durch eine Straße in Wien.
25:45
Irgend so eine Straße mit Katzenkopfpflaster. Das ist wichtig, denn ich habe mir das Pflaster angeschaut und habe dabei gedacht, komisch, dass das Katzenkopf heißt. Und wie ich das Pflaster anschaue, höre ich auf einmal, dass es schreit. Wie eine Katze. Nicht wahr? Das Pflaster hat geschrien. Bei jedem Schritt hat es geschrien.
26:17
Ich getraute mich nicht mehr weiterzugehen, ich hatte Angst. Ich stand ganz still und steif vor Angst und ringsum schrie das Pflaster. Mit der Zeit brachte mich das zur Raserei. Ich versuchte mich zurückzuhalten, aber schließlich konnte ich nicht mehr und stampfte mit dem Fuß hart gegen den kreischenden Boden. Er gab nach und ich fiel, fiel, fiel und fiel und schlug dumpf und schmerzhaft auf.
26:52
Es war feucht und kalt. Tropfen fielen beständig in mein Gesicht. Meine Haare lagen im Wasser, in einem gelblichen, übel riechenden Wasser, das plötzlich gurgelnd an mir vorüber schoss.
27:07
Lange lag ich so, unfähig mich zu rühren oder die Augen aufzuschlagen. Als ich sie dann doch aufmachte, war es stockdunkel. Mit der Zeit wurde es ein wenig heller. Ich sah starke Mauern vor mir, eine gewölbte Decke, von der die Tropfen kamen. Und plötzlich, genau zwischen meinen Füßen, eine magere, weiße Katze.
27:30
Sie war dürr wie ein Stück Holz und ihre orangenroten Augen hatte sie auf mich geheftet. Lange schauten wir uns an. Ich war starr vor Ekel und Angst. Dann miaute sie leise und drehte sich um und zeigte mir ihren Rücken, der sonderbar verkrümmt war und nicht weiß, sondern rot vom Blut. Da erinnerte ich mich, dass ich auf der Straße nach ihr getreten und sie getötet hatte. Ich versuchte den Kopf zu wenden, aber es ging nicht. Nicht einmal die Augen konnte ich schließen.
28:00
Dann kehrte sie sich wieder um und ein böses Lächeln warf ihrem Gesicht. Langsam sträubten sich ihre Haare, das Lächeln wurde immer giftiger. Dann fauchte sie und sprang mit einem raschen Satz gegen mein Gesicht.
28:15
Ich spürte das ekelhafte, weiche Fell und das gab mir die Kraft, mich zur Seite zu werfen. Und dann fühlte ich, wie das Wasser über mich rauschte und mich mitriss, mich gurgelnd in einem Strudel begrüßt. Ich schrie, aber es war nur noch ein Gurgeln.
28:33
Dann war es still. Dann ein dröhnendes, triumphierendes Miauen. Und schließlich der Wecker. Es war entsetzlich.
28:52
Entsetzlich nennst du das?
28:54
Ich finde das nur blödsinnig. Seid doch nicht so hart mit dem Mädchen, Michael. Das gibt's doch, dass man so Zeug zusammenträumt. Besonders, wenn man den ganzen Tag im Studio von solchen Sachen hört. Blödsinnig ist das. Nur Blödsinnig.
29:05
Ja, vielleicht. Aber schlimm war es trotzdem. Gehen wir?
29:09
Ja, Zeit wär's. Ich muss früh raus. Der Alte hat irgendeinen Spezialauftrag für mich.
29:14
Oberzahl!
29:15
Nein, komm, lass mich das machen.
29:16
Hallo? Ober? Hallo? Hallo?
29:32
Ja, und am anderen Morgen bekam ich dann wirklich meinen Spezialauftrag. Der Aufnahmeleiter ließ mich in einer Drehpause rufen und sagte... Boris, haben Sie etwas vor für heute Abend?
29:43
Sagen Sie ja oder nein, ist mir ganz wurscht. Sie ziehen sich auf jeden Fall ein bisschen warm an, nehmen Ihren ältesten Regenmantel, kann auch ein Lodenmantel sein, setzen sich einen Hut auf den Kopf und gehen ein bisschen in die Unterwelt. Wie bitte? Unterbrechen Sie mich nicht. Wenn Sie Zeit zum Verlieren haben, dann bitte nicht bei mir. Ich bin ein beschäftigter Mann.
30:01
Sie gehen also in die Unterwelt, das heißt, Sie nehmen sich irgendeinen Herrn vom Kloakenamt oder wie das Ding heißt unter den Arm und rekognostizieren oder wie das heißt ein bisschen Wien von unten. Schauen Sie sich gut um, finden Sie einen möglichst düsteren Abwasserkanal. Wir brauchen die nächste Woche für die Schlussverfolgung. Schauen Sie, dass Sie einen möglichst geräumigen finden, wo man bequem Scheinwerfer aufstellen kann und noch Platz hat für die Kamera. Guten Tag, viel Vergnügen, respektive Mahlzeit.
30:37
Mahlzeit war das richtige Wort. Die Vorstellung, ein paar Stunden lang durch stinkende Abwasserkanäle stiefeln zu müssen, war alles andere als appetitanregend. Immerhin beschloss ich, die Sache wenigstens so unterhaltsam wie möglich zu gestalten und lud deshalb Hilde und Michael ein, ebenfalls ein bisschen Orpheus in der Unterwelt zu spielen. Ich wollte, ich hätte es nicht getan.
30:57
Musik
31:08
Also, meine Herrschaften, jetzt geht es da links und dann geht es ein bisschen rechts und dann immer schön der Nase nach und dann. Dann kommen Sie zu einer Schleuse und da passen Sie am besten auf, dass Sie nicht ins Dreckwasser fallen, sonst kommen Sie im Morgenblatt. Ich bleib doch, ich kenn den Zauberjahr, 23 Jahre machen die Runde und ich kann Ihnen verraten, Ihr habt mich noch nicht dran quälen können. Als dann, bis nachher.
31:42
Haben Sie die Hüte auf? Jawohl.
31:44
Dem Michael seinen hat mir der Orson Wels geschenkt. Am ersten Tag hat er sich einen Tiroler Hut gekauft und ihn dann nie mehr getragen, nachdem er sich da mit dem Spiegel gesehen hat.
31:55
Besonders fest sehe ich auch nicht aus damit.
31:58
Komm, gehen wir, ja?
31:59
Jawohl, los. Komm dicht hinter mir. Hast du die zweite Taschenlampe, Michael? Ah, ja.
32:05
Riechen tut es hier nicht fein.
32:07
Das kann man kaum sagen. Das war die Mauer.
32:10
Das ist gemerkt. Schön unheimlich ist das.
32:14
Aber kein Platz für die Scheinwerfer. Warte, da wird ganz ein bisschen breiter.
32:19
Au! Au!
32:21
Au!
32:23
Habt ihr die Akustik gehört? Ruf etwas, Hilde.
32:27
Ja, was denn?
32:28
Irgendetwas. Ruf Michael. Michael!
32:31
Michael!
32:36
Jetzt müsst ihr... Hilde! Hilde! Hilde! Hilde! Hilde! Hilde! Hilde! Hilde! Hilde! Hilde! Hilde!
32:42
Hilde! Hilde!
32:42
Hilde! Hilde! Hilde! Hilde! Hilde! Hilde! Hilde! Hilde! Hilde! Hilde! Hilde!
32:50
Hilde! Hilde! Hilde! Hilde! Hilde!
32:54
Hilde! Hilde! Hilde! Hilde! Hilde!
32:56
Hilde!
32:56
Hilde! Hilde! Hilde!
32:57
Hilde! Hilde!
32:57
Hilde! Hilde! Hilde! Hilde! Hilde! Hilde! Hilde! Hilde! Hilde! Hilde! Hilde! Hilde! Hilde! Hilde! Hilde! Hilde!
33:00
Hilde! Hilde! Hilde! Hilde! Hilde! Hilde! Hilde! Hilde! Hilde!
33:02
Hilde! Hilde! Hilde! Hilde!
33:03
Hilde! Hilde! Hilde! Hilde! H
33:06
Wie soll denn eine Katze? Tatsächlich? Könntest du sie sehen? Läuft doch auch mal hinten, Michael.
33:12
Dort, dort, dort ist sie.
33:19
Was ist denn los?
33:20
Das ist sie. Ganz genau.
33:22
Was?
33:22
Die Katze. Die weiße Katze, von der ich geträumt habe.
33:25
Brötze.
33:26
Doch, doch, das ist sie. Das ist sie. Ganz genau. Orangenrote Augen, weißes Fell, dürfe ein Stück Holz. Alles andere stimmt auch. Die gewölbte Decke, das schmutzige Wasser, die Tropfen. Michael, ich habe Angst.
33:37
Aber okay, weiße Katzen gibt es in Wien zu Tausenden. Warum nicht auch da unten? Watch.
33:44
Siehst es doch, ganz sicher ist sie es.
33:46
Gut, Augenblick. Komm, ja, komm schön, ja, komm schön, kleiner Satan. So, und jetzt?
34:00
Nicht beschämt mich!
34:15
Ich weiß nicht, was plötzlich mit Michael war. Mit einem Griff hat er die Katze gepackt und in das gelbliche Wasser befördert. Sie schrie kläglich auf und dann riss sie der Strudel mit. Schnell und frösselnd gingen wir zum Ausgang zurück, kletterten an die Oberfläche und wortlos schritten wir durch die Straßen. Zuerst brachten wir Hilde nach Hause und dann begleitete ich noch Michael. Lange ging er schweigsam neben mir her. Als er endlich sprach, klang seine Stimme belegt.
34:49
Ich hätte das nicht tun sollen. Nein. Ich bin nicht abergläubisch, aber so etwas bringt Unglück. So schlimm ist es auch wieder nicht. Du hast dich halt einen Augenblick vergessen. Ja.
35:01
So, da wären wir. Vielen Dank für die Begleitung.
35:04
Kommst du noch was trinken?
35:05
Nein, danke. Ich muss heim.
35:07
Schlaf gut, Michael. Du auch. Gute Nacht.
35:10
Gute Nacht. Und vergiss diese dumme Geschichte, ja?
35:13
Ja, ich will es versuchen.
35:28
Es war gegen zwei Uhr. Ich hatte schon ein bisschen geschlafen, als das Telefon bei mir schellte. Hallo? Was? Ja, ich bin's.
35:45
Wer? Michael? Bei mir? Nein. Ich habe ihn heimgebracht. Wo bist du jetzt? In einer Telefonkabine? Ja, also gut, komm vorbei. Ich ziehe mich an. Bis nachher, Hille.
36:10
Ich konnte einfach nicht schlafen.
36:12
Immer habe ich die Katze vor mir gesehen und gehört, wie sie geschrien hat, als er sie ins Wasser warf. Da habe ich mir ein Taxi genommen und bin zu ihm. Und da war er nicht zu Hause.
36:22
Vielleicht hat es ihn auch bedrückt und er wollte noch ein bisschen unter Leuten sein und irgendwo etwas trinken.
36:28
Boris, ich weiß, es ist ein dummes Gefühl, aber ich glaube, Michael ist...
36:35
Wo?
36:37
Ich glaube, er ist noch einmal hinuntergegangen.
36:39
In den Kanal, ja. Wieso denn auch?
36:41
Ich kenne ihn. Es war ihm nicht recht. Vielleicht wollte er nachschauen, ob ihr etwas passiert ist.
36:46
War ihm der Katze? Aber geh ihn dann.
36:49
Boris, tust du mir einen Gefallen?
36:51
Natürlich.
36:52
Dann geh mit mir zum Kanalwärter.
36:54
Ja, wenn du unbedingt willst. Es ist zwar Unfug, aber wenn dir so viel dran liegt.
36:59
Es liegt mir sehr viel daran.
37:00
Sehr viel. Musik
37:09
Weil er gar so insistiert hat, habe ich mir halt gedacht, lass ich ihn noch mal runter. Ich hätte zwar Feierabend gehabt, aber er hat gesagt, er muss unbedingt noch mal runter. Er hat was verloren. Und 20 Schilling hat er mir auch gegeben. Bei den Zeiten kann unserein sowas nicht abschlagen. Und wann ist er zurückgekommen? Glauben Sie vielleicht, ich würde noch dastehen, wenn er schon zurück wäre?
37:39
Bisschen lang ist er ja schon unten, aber für 20 Schilin... Michael!
37:44
Hallo! Hallo!
38:13
Michael! Michael!
38:20
Psst! Die Katze!
38:23
Eine Katze! Komm! Komm schön! Mit was spielt denn das Vieh?
38:39
Das ist Michaels Hut!
38:56
Gut, was war das?
39:04
Es war meine Nase. Manchmal putze ich sie.
39:07
Haben Sie mich erschreckt.
39:09
Wieso? Hören Sie mal nach einer solchen Geschichte. Ach nein, hat die euch so beeindruckt? Sie etwa nicht? Doch, doch, doch, doch. Maßlos.
39:18
Sie sollten nicht lachen, Chef.
39:19
Ich lache sogar bei Ihren lustigen Filmen nie. Sie wären doch der Einzige.
39:23
So, das dürfte genügen, meine Damen und Herren. Wir haben jetzt genug Blödsinn gehört. Wir wenden uns nur wieder einer gespenstischen Seite des Lebens zu, nämlich der Arbeit. Scheinwerfer, Ton, Kamera, Mime bereit für die Szene.
39:35
Na, was ist denn? Kommt das Licht bald? Moment!
39:37
Was heißt hier Moment? Moment heißt Augenblick. Sie sollten sich mal ein Konversationslexikon schenken lassen, Herr Regisseur.
39:43
Also jetzt reicht's mir aber. Also jetzt... Was ist denn nur los? Kurzlos, hab ich gesagt. Womit hab ich mir das verdient?
39:51
Wenn Sie das nur bei allem fragen würden, was Sie verdienen...
39:54
Was machen wir jetzt?
39:55
Dreimal dürfen Sie erwarten. Pause. Mir soll es recht sein, beim Film lebern von Pause. Und was machen wir in der Pause? Ja, von mir aus erzählen Sie noch eine Gespenstergeschichte. Ja, ich weiß keine mehr. Solche Sachen passieren einem schließlich nicht jeden Tag.
40:13
Habt ihr das gehört? Was?
40:15
Psst!
40:17
Hört ihr nicht?
40:21
Das, das, das ist ja...
40:25
Ist jemand da? Ich, ich wollte nur sagen, das Licht ist wieder in Ordnung.
40:32
Oh Gott, Gott sei Dank, dass es wieder hell ist.
40:44
Wo ist denn der Regisseur? Eben war er doch noch da. Hallo, Chef, hallo. Hallo, wo stecken Sie denn?
40:54
Was suchen Sie denn hinter der Kulisse? Ich habe nur gedacht, dass ich...
41:06
Schaut euch dieses Bild des Jammers ab. Der tapfere Gespensterleugner. Der Mann ohne Nerven bekommt einen Nervenzusammenbruch, weil er Schritte hört.
41:15
Ich habe ja nur... Es ist ja alles dummes Zeug.
41:19
Es war nur... Und deshalb haben sie sich hinter der Kulisse versteckt. Scheint an der Sache doch etwas dran zu sein, ne?
41:26
Wenn ich ehrlich sein will... Seien Sie es, Abwechslung tut Not. Wenn ich ehrlich sein will, mir ist eben auch schon einmal... Ihnen ist auch einmal? Auch einmal ein... Auch einmal ein Gespenst begegnet? Armes Gespenst. Nein, kein Gespenst. Etwas anderes, etwas Ähnliches. Oder doch ein Gespenst.
41:51
Ich weiß es nicht. Erzähl. Auf der Stelle. Bitte, bitte, Herr Regisseur. Bitte auch darum, Chef. Obwohl ich betont haben möchte, dass wir hier eigentlich zum Arbeiten zusammengekommen sind. Ich möchte diesen Umstand nicht überbetonen. Andererseits glaube ich nicht, dass es schaden könnte, von Zeit zu Zeit darauf hinzuweisen.
42:08
Oh, sprich doch nicht so gewählt. Liegt dir ja gar nicht.
42:11
Also wie ist das? Lassen wir ihn jetzt erzählen oder nicht?
42:13
Also ich bin dafür. Bitte erzählen.
42:15
Ja, erzählen bitte.
42:18
Wie war denn das genau?
42:23
Moment. Ja, es war so.
42:36
Heute ist das natürlich alles ganz anders.
42:39
Aber damals, um 1930 herum, war Berlin tatsächlich ein Fidelesdorf mit vielen verrückten Hühnern. Und zu den Allerverrücktesten gehörten wir, d.h. ein paar Schauspieler, Regisseure und Maler. Wir waren genau 13 Nasen und hatten einen Club. Wir nannten uns die Finstern 13, Gesellschaft zur Verbreitung von Schrecken und Unfug jeglicher Art.
43:03
Jeden Freitagabend trafen wir uns im Hinterzimmer einer kleinen Kneipe. Wir hockten also wieder einmal um unsere Bohle und überlegten angestrengt, ob wir das Skelett, das sich Alfons, der Maler, zu Studienzwecken angeschafft hatte, lieber während der Nacht in eine Verkehrskanzle am Alexanderplatz stellen oder während einer Vorstellung von Cosi van Tutte vom Schnürboden herunterlassen sollten.
43:23
Sieht man nur nach mir hin, schon verwirrt sich der Sinn, Männer!
43:31
Da stürzte plötzlich Gustav in die Bude. Gustav war Wiener, aber sonst ein ganz netter und vernünftiger Kerl.
43:38
Das müsst ihr euch anhören. Das ist überhaupt noch nicht die Möglichkeit. Also sowas war noch nicht da. Das hat die Erde noch nicht gehört. Also das gibt's einfach gar nicht. Was ist denn los? Du bist ja komplett durchgedreht. Also hört euch das doch an. Ich hab doch seit drei Tagen ein Telefon. Kapitalist. Also wollt ihr hören, was passiert ist oder nicht? So es denn wird sein müssen. Na...
44:01
Also, heute Morgen klingelt bei mir das Telefon und eine Stimme sagt... Bist du heute Abend frei, Liebling? Und schmoren. Eine Stimme sagt, do I speak to Mr. Novotny, please. Das hast du verstanden? Natürlich nicht. Darum habe ich ja auch gesagt, was meinen der Herr? Und hab noch hinzugefügt, dass ich nur Deutsch spreche. Nur Wienerisch. Bitte um Beachtung der Nuancen. Schmoren. Der Mann spricht also in gebrochenem Tonfall weiter und sagt ungefähr folgendes.
44:32
Tue ich sprechen zu Mr. Nowotny? Ich sag natürlich, ja. Und er sagt, wenn ich bin recht informiert, Sie sind eine Member. Eine was?
44:44
Einem Mitglied von dem Verein für Verbreitung von Schrecken und Unfug jeder Art. Ich sage ja. Und darauf sagt er, haltet euch bitte am Stühlchen. Sagt er, wollen Sie verdienen 1000 Dollar? Bitte, wie war das?
44:59
1000 Dollar.
45:01
Ich höre immer 1000 Dollar. Ja, wofür will er denn dir 1000 Dollar geben?
45:05
Nicht mir, uns. Uns? Ja, uns.
45:09
Uns, der Gesellschaft zur Verbreitung von Schrecken und Unfug jeglicher Art. Ja, und wofür, wenn ich fragen darf? Für die leichteste Sache von der Welt. Nur dafür, dass wir seine Frau erschrecken. Wie bitte? Also, noch einmal ganz langsam. Dafür, dass wir erschrecken, seine Frau. Na?
45:31
Was Blödsinn? Nichts Blödsinn. Der Mann hat es gemeint, wie er es gesagt hat. Vorhin war ich bei ihm. Ach, du warst bei ihm? Ja, natürlich. Für 1000 Dollar gehe ich sogar zu drei Amerikanern.
45:41
Und?
45:42
Also das ist also so. Mr. Henderson, so heißt er, ist mit seiner Frau auf einer Europareise. Er ist begeistert, sie nicht. Er hat ihr den Eiffelturm gezeigt. Sie hat gesagt, na und? Er hat ihr den Petersdom gezeigt. Sie hat gesagt, na und? Er hat ihr das Matterhorn gezeigt. Sie hat gesagt, na und? Nein, beim Matterhorn hat sie gesagt, scheint ein Berg zu sein.
46:09
Dann hat er ihr eine Inszenierung von Max Reinhardt gezeigt. Und weißt du, was sie gesagt hat? Nein. Wo ist das nächste Kino? Also pass auf, und jetzt ist er auf der Suche nach etwas, was sie wirklich erschüttern und beeindrucken kann. Und da hat er gedacht, er zeigt ihr ein Gespenst.
46:30
Blödsinn. Gibt's ja gar nicht.
46:31
Natürlich nicht.
46:33
Deshalb kommt er ja zu uns, damit wir ihm eines liefern. Und wie stellst du dir das technisch vor? Sollen wir ein Inserat aufgeben? Gesucht von reichem Amerikaner, wirksames Gespenst, zwecks beeindruckungser Frau oder was? Robert, du bist gar nicht so blöd, wie ich gedacht hab.
46:48
Du bist noch viel blöder. Das Gespenst liefern wir, verstehst? Einer von uns spielt das Gespenst und erschreckt die Amerikanerin. Und wir bekommen 1000 Dollar.
46:57
Und wer soll als Gespenst sein?
47:00
Hast du mich gesehen? Du mit deiner Stimme?
47:04
Du erschreckst ja niemand außer dir selber.
47:07
Natürlich konnten wir uns nicht einigen, wer das Gespenst sein sollte. Jeder machte für sich nach Kräften Propaganda, wirrte, gelte, stöhnte, winselte und jaulte.
47:17
Ich bin Otto Heidspader.
47:28
Wir machen einen Ball. Bitte. Ein was? Ein Gespensterball. Jeder von uns 13 kommt als Gespenst. Und dazu laden wir natürlich auch auf ganz mysteriöse Weise diese Mrs. Henderson ein. Und dann soll ihr kein Auge trocken bleiben. Was meint ihr?
47:44
Länzende Idee.
47:46
Ja bitte. Ein Gespensterball.
47:49
Klar, ein Gespensterball.
47:55
Es war schon eine tolle Sache. Zunächst mieteten wir ein leerstehendes Haus am Wannsee, dekorierten es mit Grabkreuzen, Spinnweben, Galgen, dem Skelett von Alfons, das am Eingang in einer Blumenvase stand, und vor allem schickten wir Mrs. Henderson ins Hotel Adlon eine wohlformulierte Einladung.
48:16
Hört euch das an und schimpft mich noch einmal Asphaltdichter.
48:22
Im Namen derer, die schweben über dem Staub und vergehen im Wesenlose und nicht zu sehen sind und nicht zu hören und die doch da sind, in immerwährender Gegenwart laden wir dich und fordern es sogar, zu erscheinen am Freitag, der da kommet, wenn die Uhr Mitternacht schlägt und der Mond sich hebet in Ründe und zu stehen vor der Türe des Hauses, das sich nennet, Das Graue. Und dort dreimal zu pochen gegen das Tor und zu sagen, was ist Schein und was ist Leben.
48:56
Worauf dir wird aufgetan werden und du wirst teilnehmen am Tanze der Wesenlosen.
49:03
Abendtoilette erwünscht. Na, was sagt ihr dazu?
49:06
Gut, dass die Amerikanerin auch nicht Deutsch kann. Nein, eigentlich schade. Sonst wäre sie schon über den Stil für mindestens 600 Dollar erschrocken.
49:22
Ja, und dann kam der Abend. Mr. Henderson hatte uns vorher noch telefonisch davon verständigt, dass seine Frau tatsächlich kommen werde. So saßen wir denn vor zwölf alle in dem Hause und warteten. Die Lichter hatten wir ausgemacht, nur im Entree brannte eine Kerze.
49:39
In jeder Ecke der vollständig leeren Halle steckte einer von uns, und zwar in der verrücktesten Verkleidung. Robert hatte sich blaugrün angemalt und spielte den Geist von Hamlets Vater. Karl war als Gespenst von Canterville erschienen, Gustav, Hans und Walter hatten sich als die Hexen aus Macbeth aufgemacht und sahen so aus, dass sie in der Dunkelheit vor sich selber Angst hatten. Ich selber hatte keine Zeit zur großen Verkleidung gehabt und mir einfach ein langes, wallendes Leintuch umgehängt.
50:05
Wir hatten beschlossen, die Türe auf das Klopfen von Mrs. Henderson hin knarrend zu öffnen. Dann sollte in genau festgelegter Reihenfolge gestöhnt, gewinselt, gewirrt und gejault werden. Dann sollte mit einem Schlag das Grammophon einsetzen, das Licht angehen und wir uns alle um Mrs. Henderson scharen. Es war im Ganzen betrachtet ein sehr schöner Plan und wir warteten also, bis es soweit war.
50:30
Au!
50:32
Mensch, seid doch bloß ruhig.
50:34
Mach du mal ruhig, wenn einer schwerer Eisenrüstung auf die Füße tritt.
50:37
Ich war mein Fuß, Oskar. Kann doch nicht. Kann ihn nicht heben. Der Panzer ist zu schwer.
50:43
Trudel, man kommt ja auch nicht ins Blaubacht.
50:45
Au!
50:45
Was ist Schein und was ist Leben?
51:08
Hello? Hey! Somebody else?
51:16
Ist jemand da? Hello!
51:25
Who are you? Where are you? Wir sind sie, was ist los?
51:35
The hell with you! Come on out! Zeigen Sie ihnen, aber so fort! Machen Sie ihr keine Unsinn! For the very last time, come on out!
52:04
Wo ist denn der verdammte Lichtschalter?
52:07
Soll doch einer endlich Licht machen!
52:23
Nachdem Robert der Trottel das Licht endlich gefunden hatte, stürzten wir wie verabredet vor und umringten Mrs. Henderson mit den schrecklichsten Geräuschen. Nur Oscar war nicht dabei. Der war mit seiner Rüstung umgefallen und lag hilflos am Boden und sein Stirn klang jetzt wirklich sehr echt. Was wir uns indessen von unserem Auftritt erwartet hatten, traf keineswegs ein. Mrs. Henderson stand ruhig lächelnd da und auf einmal griff sie in ihre Handtasche.
52:53
Okay, gentlemen, take your hands up.
52:56
Hände hoch, meine Herren. Das können Sie mit Hamlets Vater nicht machen, gnädige Frau.
53:03
Ich bin so das Gespenst von Kinderweh. Ich habe Generationen zu Tode geängstigt. Denn mehr Kinder sind an mir ausgeschraubt. Auf mich darf man nicht schießen.
53:12
Shut up! Machen Sie zu Ihrem Mund und fertig mit dem Nonsense.
53:16
Das war in die Luft. Es war geschossen in die Luft.
53:32
Next time, next tomorrow's wird nicht sein in die Luft. Got it?
53:36
Okay, gentlemen. Now let's talk seriously. Wir wollen reden ernst. Who did hire you?
54:02
Wer hat sie mieten für diese Joke?
54:06
Mieten? Ach, Sie meinen, nein, natürlich nicht. Niemand, sozusagen aus freien Stücken, rein zufällig, sozusagen.
54:16
See that gun? Sie sehen, it's a revolver? Okay. Wer hat sie mieten?
54:25
Niemand.
54:26
War es mein Mann?
54:27
Ihr, ihr, knetige Frau sind verheiratet. Schade.
54:34
No kidding. Hat sie mit meinem Mann oder nicht meinem Mann?
54:39
Ja, nicht wahr. Es war so. Ja, Mann.
54:42
Es war mein Mann. Gut to know. Fein zu wissen. Wenn ich come back to the hotel, wenn ich come ins Hotel, dann wird nicht haben zu lachen.
54:54
Hu, hu, hu, hu.
55:05
Natürlich dachten wir alle zunächst das Gleiche wie Mrs. Henderson, nämlich dass einer von uns zu spät daran sei und die Situation noch nicht erfasst habe. Dann merkten wir aber, dass es doch jemand anders sein müsse, denn wir waren komplett.
55:20
Einen Augenblick dachten wir, dass Mr. Henderson auch seinen Teil zur Bekehrung seiner Frau habe beitragen wollen, aber das Lachen wurde immer stärker und grausiger und dem wandelnden Leintuch, das jetzt auf der Treppe auftauchte, schien Mrs. Hendersons Revolver im Gegensatz zu uns nicht den geringsten Eindruck zu machen.
55:39
Stop it! Halten Sie, aber ich schieße!
55:50
Die Erscheinung kümmerte sich nicht um den Befehl, sondern lachte weiter ihr grässliches Lachen und schritt auf Mrs. Henderson zu. Als es ihr auf etwa zehn Schritte nahe gekommen war, schoss sie.
56:04
Sie schoss und sie traf, aber das Wesen hörte nicht auf zu lachen und auf sie zuzugehen. Gustav sprang auf sie zu und riss ihr den Arm hoch und so traf der nächste Schuss die Lampe.
56:19
Ein Augenblick war es ganz dunkel und ganz still.
56:22
Und dann...
56:42
Der Schluss ist rasch erzählt. Mrs. Henderson war, als wir endlich eine Lampe fanden, verschwunden und sie blieb es auch. Wir suchten das ganze Haus und den Garten und die Umgebung ab. Mrs. Henderson war fort.
57:04
Es blieb uns nichts anderes übrig, als zu Mr. Henderson ins Hotel zu gehen und ihm das Ganze zu erzählen. Er hörte schweigend über einem Glas Whisky zu und zum Schluss stand er auf und schüttelte ergriffen Gustavs Hand.
57:18
Okay, gentlemen, that's what I call a really fine drop.
57:23
Sie haben nicht nur Schrecken, meine Frau, Sie haben sie auch verschwinden.
57:27
In diesem Fall, Sie sollen haben, well, let's say, 2000 Dollars.
57:51
Na, habe ich euch erwischt?
57:54
Ja oder nein?
57:55
Doch, ja, das kann man wohl sagen.
57:57
Also, einen Augenblick lang habe ich wirklich geglaubt. Haben Sie? Das ist ja großartig.
58:03
Ja, und wie habe ich eigentlich vorhin meinen Angstanfall gemimt? Leider hervorragend.
58:08
Also, das muss Ihnen der Neid lassen.
58:10
Es gibt zum Glück noch Regisseure, von denen die Herren Schauspieler was lernen können. Auch die Herren Schauspielerinnen. Übertreiben würde ich jetzt auch wieder nicht. Na so, und jetzt endlich an die Arbeit achten. Scheinwerfer, Ton, Kamera? Nein. Wie bitte?
58:23
Ich habe gesagt Nein.
58:24
Das dürfte ein Irrtum sein. Hier gibt es Leute, die Ja sagen und Leute, die Nein sagen. Die Leute, die Nein sagen, bin ausschließlich ich. Nein.
58:31
Nein. Das ist ja offene Rebellion. Nein, das ist nur Dienstverweigerung aus Gründen des künstlerischen Gewissens.
58:38
Wolfgang. Herr Regisseur, ich habe Nein gesagt, weil ich noch nicht dran war.
58:45
An was? An was?
58:47
Nun, jetzt haben alle eine Geschichte erzählt, nur ich nicht.
58:50
Wissen Sie was? Erzählen Sie nachher jemandem anderen.
58:53
Na, das ist unfair. Sie soll auch erzählen dürfen. Jawohl, jeder hat erzählt, also darf sie auch. Sie ist ja schließlich auch ein Mensch, wenn sie auch bloß eine Frau ist.
59:01
Ich kann mich an Gelegenheiten erinnern, bei denen sich Männer nichts Besseres wünschen als bloß eine Frau.
59:07
Momente der Schwäche. Also, Gisela, erzähl.
59:10
Was meinen der Herr Regisseur dazu?
59:12
Erzählen Sie, es soll mir ja heute nichts erspart bleiben. Außer der Arbeit. Das ist schon etwas.
59:18
Fange ich also an.
59:19
Es war in... Sagen Sie einmal, warum sind Sie eigentlich kein Elefant geworden? Die Elefanten hätten sich schön bedankt. Witzbold. Also fang schon an, Gisela. Sonst schreiten Sie sich wieder und dann schwöre ich, bringe ich einen davon um. Ihn, wenn ich bitten darf. Also, Gisela.
59:37
Ja. Es war in...
59:51
Es war in Barcelona. Wir drehten dort unten Außenaufnahmen zu einem Film. Spanische Liebe oder so ähnlich sollte die Sache heißen. Der Titel stand noch nicht ganz fest, aber sicher war, dass es ein Film über ein Spanien werden sollte, so wie sich der kleine Moritz vorstellt. Mit Gitarren, wilden Zigeunertänzen und natürlich auch mit einem Stierkampf.
60:14
Für den Stierkampf engagierte unser Regisseur einen jungen Torero namens Pablo Mendoza. Nun, er war nicht gerade ein Manolete, aber er sah wunderschön und sehr elegant aus und war ein netter Kerl, der uns abends in Bars und Wirtschaften mitnahm, die wir nicht kennen konnten und auch bei uns blieb, als seine Aufnahmen längst fertig waren.
60:42
Eines Abends saßen wir mit ihm in einem billigen Lokal.
60:50
Wir waren recht fröhlich und besonders Pablo hatte ziemlich viel getrunken.
60:58
So still er für gewöhnlich war, an diesem Abend lacht und redete er eine ganze Menge. Und erzählte vor allem sehr viel von seinen früheren Kämpfen.
61:07
Ich nehme die Kappe.
61:10
Halte sie ganz nachlässig mit der Linken. Der Zipfel schleift noch etwas im Sand.
61:16
Dann drehe ich mich um, zeige dem Stier den Rücken und gehe... Weil ein paar Statistinnen gar so gebannt zuhörten, geriet er bald ins Übertreiben.
61:25
Denke mir, jetzt zeigst du es ihnen. Knie hin. Es ist nicht möglich. Sie kniet im Himmel. Knie also hin. Zeige ihm die Körper. Und im Augenblick, wo er den Kopf senkt und auf mich zurast.
61:43
Wie gesagt, er übertrieb recht schamlos. Mit der Zeit wurde ihm allerdings das Sprechen schwer. Er verwickelte sich in seinen Sätzen.
61:50
Tridim, bradim, bam, basil, tadadadadadadadadadadadadadadadadadadadadadadadadadadadadadadadadadadadadadadadadadadadadadadadadadadadadadadadadadadadadadadadadadadadadadadadadadadadadadadadadadadadadadadadadadadadadadadadadadadadadadadadadadadadadadadadadadadadadadadadadadadadadadadadadadadadadad
61:57
Da trat plötzlich eine Zigeunerin an den Tisch, wie sie dort unten eben durch die Nachtlokale laufen und gegen ein paar Peseten einen die schönste Zukunft aus der Hand, den Augen oder den mitgebrachten Karten lesen.
62:08
Die Zukunft, meine Herrschaften, die garantiert wahre Zukunft für jeden Mann, drei Peseten pro Person.
62:14
Geh weg!
62:17
Die Zukunft, meine Herrschaften, drei Peseten pro Zukunft.
62:21
Geh weg! Verkauf deine Zukunft, wem du willst.
62:26
Du hast wohl Angst, kleiner Torero. Angst vor der Zukunft, nicht wahr, kleiner Torero? Angst?
62:36
Ich? Ich und Angst? Ein Torero und Angst? Woher weißt du überhaupt, dass ich ein Torero bin?
62:45
Ich weiß noch viel mehr, kleiner Torero. Drei Posseten.
62:48
Ja?
62:50
Also gut, hier ist meine Hand.
62:53
Ich brauche deine Hand nicht.
62:56
Ach so, die moderne Methode.
62:59
Und? Du hast gesagt, du hast keine Angst.
63:04
Natürlich nicht.
63:05
Du solltest aber, solltest Angst haben vor dem 17. September.
63:11
Blödsinn.
63:13
Vor dem nächsten 17. September in Murcia. Mach drei Pesetten.
63:22
Weiter weißt du nichts von meiner Zukunft.
63:25
Weiter geht deine Zukunft nicht, kleiner Torero.
63:34
Einen Augenblick saßen wir alle verwirrt. Das war immerhin ein starkes Stück für eine Zigeunerin, die vom Lokal angestellt war, um den Gästen angenehme Lebensläufe vorauszusagen. Am schlimmsten traf es natürlich Pablo selber. Ich glaube, er war im Moment nüchtern.
63:52
Er saß stumm da und war sehr bleich. Mit der Zeit verabschiedete sich einer nach dem anderen und schließlich blieben Pablo und ich allein am Tisch.
64:08
Vielleicht weißt du doch etwas.
64:10
Sie hat das so überzeugt gesagt? 17. September Murcia.
64:15
Aber Pablo, nichts weiß sie. Sei doch kein Kind. Wer wird denn schon an solche Sachen glauben?
64:23
Hier, alle Toreros. Wenn man immer so nah am Tode ist, dann hat man Angst.
64:31
Du hast Angst, Pablo? Ja.
64:35
Immer habe ich Angst. Jedes Mal. Und Tage vorher schon habe ich Angst. Deshalb bin ich auch ein schlechter Torero. Die Stiere merken das, wenn man Angst hat. Sie riechen das.
64:54
Pablo, ich glaube, es ist das Beste. Du gehst jetzt ins Bett.
64:58
Nein, nicht jetzt. Noch nicht. Ich könnte doch nicht schlafen.
65:05
Sie weiß sicher etwas. Sie hat es mir nur nicht gesagt.
65:10
Also wenn du darauf bestehst, gehen wir sie doch fragen.
65:14
Wo?
65:15
Und wenn sie schon in diesem Lokal arbeitet, wird der Kellner wohl ihre Adresse kennen. Hallo?
65:22
Signora?
65:23
Können Sie uns sagen, wo die Zigeunerin wohnt, die heute Abend hier weiß gesagt hat?
65:28
Welche Zigeunerin, Signora?
65:30
Nun, die zu dem Zweck hier angestellt ist.
65:32
Senora, wir haben keine Zigeunerin angestellt. Manchmal kommen natürlich trotzdem welche herein. Und Sie von heute Abend?
65:40
War die schon öfters da? Nein, Senor. Die habe ich noch nie gesehen.
65:55
Es war nicht einfach, Pablo zu beruhigen. Schließlich gelang es mir trotzdem. Ich bestellte ein Taxi und brachte ihn in das kleine Hotel, in dem er wohnte.
66:04
Fortier, gehen Sie mir bitte mein Zimmer schlüsseln. Hier, Senior Mendoza. Gute Nacht. Gute Nacht.
66:13
Gute Nacht, Pablo. Schlaf gut und vergiss das dumme Zeug.
66:18
Gute Nacht, Gisela.
66:20
Und vielen Dank, dass Sie bei... Oh, Senor Mendoza. Fast hätte ich vergessen. Es ist ein Anruf für Sie gekommen. Äh, von dem? Warten Sie, ich habe es notiert.
66:30
Hier.
66:35
Oh.
66:36
Was ist?
66:38
Schauen Sie, was hier steht.
66:41
17. September. Murcia. Manuela Gabriela Diaz.
66:58
Ich hielt das Ganze natürlich für einen schlechten Scherz, den sich jemand aus unserer Gesellschaft geleistet hatte. Pablo aber war nicht davon abzubringen, dass es die Zigeunerin gewesen sei, die ihm telefoniert habe. Ich hatte alle Mühe, ihn wieder einigermaßen in eine normale Stimmung zu bringen und musste ihm zum Schluss versprechen, dass ich am Morgen ganz früh bei ihm sein werde. Und das war ich denn auch. Ich fand ihn bleich auf dem Bette liegend. Er hatte sich nicht einmal ausgezogen und sich ja die ganze Nacht kein Auge zugemacht.
67:29
Ich konnte nicht schlafen, Gisela. Die ganze Nacht habe ich daran denken müssen.
67:33
Pablo, du machst ihm aber Sorgen. Das ist doch wirklich dumm von dir. Gut, bei Nacht glaubt man solche Sachen vielleicht. Aber jetzt ist heller Tag und da haben die Gespenste ihr Recht verloren.
67:44
Nicht für mich. Ich spüre es genau, dass etwas daran ist.
67:49
Pablo?
67:50
Ja?
67:51
Wann hast du deinen nächsten Kampf?
67:53
Am Sonntag in Barcelona.
67:56
Und den übernächsten?
67:57
Am Mittwoch darauf.
67:59
Auch in Barthelona. Warum fragen Sie das bitte?
68:04
Du weißt also alle deine Kämpfe im Voraus?
68:07
Natürlich.
68:07
Für die ganze Saison?
68:09
Ja.
68:10
Gut, dann sage mir doch, wo du am 17. September kämpfst.
68:16
Am 17. September. Da bin ich...
68:23
Irgendwo habe ich mir das aufgeschrieben. Bitte, würden Sie vielleicht so freundlich sein, mir meine Brieftasche herüberzugeben? Wo? Dort auf dem Tisch. Danke. Am 17. September bin ich... Gisela!
68:50
Am 17. September...
69:05
Er war mit einem Schlag wie umgewandelt, als er gesehen hatte, dass er an diesem Tag überhaupt nicht in der Arena stand. Fröhlich wie ein Kind ging er mit mir zum Frühstück.
69:18
Noch etwas Brot?
69:19
Nein, danke.
69:20
Signora Mendota, die Post.
69:22
Für mich? Ja, zwei Briefe. Darf ich Sie lesen, Gisela?
69:27
Aber natürlich, Pablo. Camarero, bringen Sie bitte Zigaretten.
69:32
Gerne sofort, Signora.
69:36
Gisela.
69:36
Was gibt's?
69:39
Schon wieder.
69:40
Was?
69:41
Die Prophezeiung. Hier, in diesem Brief. Steht nichts drin als 17. September Murcia und darunter Manuela Gabriela Diaz.
69:53
Es beginnt allmählich langweilig zu werden.
69:56
Ich weiß nicht.
69:58
Von wem ist denn der andere Brief? Steht da eventuell auch etwas vom 17.?
70:01
Nein, die Schrift kenne ich. Die ist von meinem Manager.
70:06
Hoffentlich schreibt der dir wenigstens etwas Angenehmes.
70:08
Ich will sehen. Lieber Pablo, stell dir vor, vorgestern ist Pepito in Granada verletzt worden und es wird mindestens drei Monate dauern, bis er wieder auf den Beinen ist. Nun bin ich in großer Verlegenheit, denn ich habe niemanden, der am 17. September in Marseilla...
70:39
Es war tatsächlich so. Der Manager bot Pablo einen Vertrag für die Corrida vom 17. September in Murcia an.
70:48
Was soll ich machen? Was soll ich nun machen?
70:52
Du lehnst natürlich ab, für alle Fälle.
70:55
Das kann ich nicht.
70:56
Warum?
70:58
Sie können das nicht verstehen, aber das geht nicht.
71:01
Dann erkläre mir doch warum.
71:03
Ich bin doch frei an dem Tag.
71:05
Ja und?
71:06
Dann kann ich nicht absagen. Ich kann mich nicht weigern, für einen verletzten Kameraden einzuspringen. Er würde mir das niemals verzeihen.
71:14
Und wenn du ihm alles sagst?
71:16
Nein. Dann wird er glauben, dass ich feige bin. Und er würde es allen Managern erzählen. Und niemand engagiert einen feigen Torero. Niemand.
71:27
Was willst du machen?
71:29
was ich machen will. Nichts. Ich werde eben am 17. September nach Morthia gehen und... Und er ging.
71:49
Ich mag Stierkämpfe nicht, aber ich ging mit.
71:53
Es war ein sehr heißer Tag, aber mir war kalt. Bevor die Reihe an Pablo war, ging ich rasch zu ihm in den Raum, in dem er sich ankleidete. Er saß allein auf einem Stuhl und sah todkrank aus.
72:06
Nun wäre es also soweit.
72:09
Ach Pablo, mach dir keine Gedanken. Es wird schon alles gut gehen. Ich halte dir beide Daumen.
72:16
Ja, wenn das etwas nützt. Bestimmt. Ich muss jetzt gehen. Viel Glück Adios. Gisela?
72:29
Ja?
72:31
Weißt du, was ich vorher auf dem Tisch dort gefunden habe?
72:34
Was?
72:35
Einen Zettel. Weißt du, was darauf stand?
72:38
Nun?
72:40
Heute. Manuela Gabriela Diaz.
72:52
Ich saß zusammengekrümmt vor Spannung auf der Tribüne, als Pablo langsam in die Arena schritt. Die Leute begrüßten ihn nicht allzu frenetisch.
73:13
Er ging rund um die Arena, verneigte sich vor meiner Loge und warf mir seinen Hut herauf. Leider verfehlte ich ihn. Eine sehr elegante junge Dame mit blau-schimmerndem schwarzem Haar, die in der Loge neben mir saß, fing ihn geschickt auf und legte ihn vor sich auf die Logenbrüstung. Jetzt öffnete sich das Tor und der Stier stürmte heran.
73:37
Pablo sah ihn und erschrak. Es war ein sehr großer, fast schwarzer Stier. Pablo stand hypnotisiert. Da hörte ich die junge Dame neben mir zu ihrem Begleiter sagen.
73:48
Er hat Angst. Ach was, er schaut ihn sich nur an.
73:50
Wenn ich dir sage, er hat Angst.
73:56
Und der Kampf begann. Zuerst kamen die Picadores und reizten den Stier mit ihren Lanzen.
74:05
Ich schaute nicht zu. Ich konnte kein Auge von Pablo wenden, der an der Bande stand und so aussah, als müsse er jeden Augenblick umsuchen. Schließlich trat er vor, die Kappa noch über dem Arm.
74:22
Er breitete sie aus, zeigte sie dem Stier. Und ging auf ihn zu, langsam, etwas schwankend. Und dann raste das Tier los.
74:35
Und auf Pablo zu und an ihm vorbei. Es kehrte und begann von Neuem.
74:44
Bald zeigte es sich, dass Pablo kein Risiko eingehen wollte. Und das schätzte das Publikum nicht.
74:52
Pablo blieb dem Stier so fern als möglich.
74:55
Die Protestrufe mehrten sich.
75:00
Ich hab dir ja gesagt, er hat Angst.
75:07
Bald war der Platz ein großes Pfeifkonzert. Pablo stand in der Arena und schaute blass und traurig zu den Rängen empor. In diesem Augenblick geschah es.
75:18
Er hatte einen Augenblick den Stier vergessen und er raste nun von hinten auf ihn zu. Im letzten Augenblick sprang Pablo zur Seite, aber nicht weit genug. Eines der Hörner erwischte ihn und schleuderte Pablo wie einen Ball durch die Luft. Ich schloss die Augen.
75:37
Als ich sie wieder öffnete, sah ich, wie die Picadores in die Arena gesprungen waren, um den Stier abzulenken. Aber ich sah auch, wie Pablo mühsam aufstand und die Leute vom Platze schickte.
75:52
Er raffte die Kapa auf, schwenkte sie und ging auf den Stier zu und begann mit ihm einen Kampf.
76:00
dem das Publikum immer begeisterter folgte, wurde immer kühner, ging ganz dicht an den Stier heran und ließ ihn mit ganz kleinen Wendungen ganz dicht an sich vorbei. Pablo zeigte den schönsten Kampf seines Lebens und wurde am Schluss begeistert gefahren.
76:42
In dem kleinen Lokal, in dem wir gegen Abend saßen, stauten sich die Leute und wollten Autogramme. Er war sehr glücklich und bald darauf auch sehr betrunken.
76:51
Auf den Stieren, Gisela!
76:53
Auf den Stieren! Und auf den größten Torero in Spanien! Auf allen Stieren! Auf deine Zukunft, Pablo!
77:02
Meine Zukunft! Weißt du noch, die sollte doch...
77:07
Heute fertig sein!
77:09
Dabei fängt sie erst heute an! Auf die Zigeunerin! Auf den 17. September! Auf Murcia! Auf Manuela Gabriela Diaz!
77:25
Was ist, Pablo? Habe ich dich erschreckt?
77:29
Glaubst du immer?
77:31
Das ist nur mein Arm.
77:32
Was ist denn mit deinem Arm?
77:33
Der Stier hat mich doch ein bisschen geritzt. Jetzt tut es eben ein bisschen weh. Warst du beim Arzt? Nein, später.
77:42
Hat man das wenigstens verbunden?
77:43
Natürlich. Tut es so weh? Ja, ein bisschen schon.
77:48
Soll ich einen Arzt rufen?
77:49
Nein, zwei Häuser weiter wohnt einer. Ich gehe sofort hin. Nur noch ein Glas. Prost!
77:55
Prost!
78:08
Ja, und dann stand er auf, ging durch den Raum, winkte unter der Tür und rief, schlug den Bambusvorhang zurück, trat auf die Straße und...
78:32
Betrunken, wie er war, lief er direkt in ein Auto und starb auf der Straße vor der Arena. Am Steuer des Wagens saß eine elegante junge Dame mit blau schimmerndem schwarzem Haar. Sie hieß Manuela Gabriela Diaz.
79:03
So, Herr Regisseur, was sagen Sie jetzt? Brauchst du doch gar nichts zu fragen. Schau dir doch sein Gesicht an, der grinst immer noch.
79:14
Grinsen ist untertrieben. Ich brülle vor Lachen. Aus reiner Höflichkeit einer Dame gegenüber tue ich es bloß innerlich.
79:21
Ist das wirklich alles, was Sie zu sagen haben?
79:23
Nein. Wenn es Sie interessiert, können Sie noch weiteres erfahren. Und zwar A, dass ich jetzt endgültig genug habe von dem Blödsinn. B, dass ich auch nicht an ein einziges von Ihren Gespenstern glaube. Und C, dass wir jetzt auf der Stelle unseren Gespensterfilm weiterdrehen. Scheinwerfer ein!
79:40
So, lasst uns den Mimen, das Auge starr aufs Sonorar gerechtet.
79:45
Ton in Ordnung? Ton in Ordnung. Danke.
79:50
Kamera? In Ordnung. Danke. Also, ich erkläre kurz noch einmal die Situation. Frau Uhlen und Herr Bucher stehen da vor dem Fenster, sprechen ihren Dialog, aber bitte möglichst ängstlich, wenn ich bitten darf, Frau Uhlen.
80:03
Ich werde so verängstigt sein, wie es mir möglich ist.
80:06
Herr Bucher, männlich, beruhigend. Da können Sie beruhigt sein. Dann Lachen von Kieling, dann Schrei Uhlen, aber bitte, Herr Kieling, nicht wieder so ein Kindergartengelächter, ja?
80:15
Ich werde lachen, dass sich Ihnen sogar die Fingernägel sträuben.
80:18
Haha, bitte. Mitten im Gelächter Licht aus. Beleuchter, haben Sie gehört? Jo. Dann Licht wieder an, haben Sie gehört? Von mir aus. Dann Kamera langsam auf Bucher zu, der zuerst verblüfft, dann verzweifelt auf die Stelle sieht, wo Frau Uhlen gestanden hat, die von dem Gespenst geholt worden ist. Dann rasch abblenden. Ist das klar? Klar, wenn auch sinnlos. Kapiert. In Ordnung. Gut. Achtung! Kamera ein!
80:51
Klappe, Szene 107 zum zehnten Male. Uhlen, Bucher, Gieling.
80:59
Los, Dialog. Matthias, hast du das gehört?
81:02
Was?
81:03
Da hat doch jemand gelacht.
81:05
Gelacht? Lass dich doch nicht auslachen.
81:07
Doch, ganz sicher. Ich habe es ganz deutlich gehört. Es muss irgendwo im Gang draußen gewesen sein. Es war, es war grauenhaft.
81:14
Aber Liebes, schau, du bist heute...
81:31
Was ist denn los? Gisela, bist du da?
81:44
Ja, hier.
81:45
Herr Schaffner, mach doch endlich Licht.
81:47
Hallo, schalt doch das Licht endlich wieder ein.
81:50
Okay. Wer hat denn eigentlich gelacht? Ich jedenfalls nicht. Du hast nicht gelacht? Nein.
81:55
Kommt das Licht endlich.
81:57
Kurzschluss. Dommer Wetter, schon wieder.
81:59
Ich
82:00
Wo ist eigentlich der Regisseur? Hallo? Hallo?
82:04
Hallo, Herr Regisseur, hallo? Boris, hast du ihn gesehen?
82:07
Nein.
82:08
Hallo?
82:10
Hat niemand eine Taschenlampe? Moment, Streichhölzer. Gisela, Raimund, Boris, ich? Der Regisseur fehlt.
82:20
Habt ihr nicht auch an der Tür zufallen hören? Doch. Schaut doch rasch draußen nach.
82:24
Oh, verflucht, jetzt habe ich mich verbrannt.
82:27
So...
82:38
Was ist los, Wolfgang?
82:41
Da sitzt eine... sitzt die Weiße.
82:53
Das war unsere Sendung. Verzähl du das im Ferrimar. Mit Gisela Uhlen, Wolfgang Kieling, Raimund Bucher, Wolfgang Jarnach, Fritz Lehmann, Lutz Wersel, Karl Blankartz, Bertolt Bücher, Hilde Harwan, Walter Plüss, Hermann Gallinger, Max Bachmann, Senta Traupel, Egon Waldmann, Armin W. Süssengut, Kurte Heine, Karl Robert Schäfer, Heli Steele, Sibylle Münch, Rainer Litten, Wolfgang Daucher, Agnes Del Sarto, Bobby Ferrali, Walter Richard, Rosemarie Ritter und Willi Buser.
83:32
Die Musik schrieb Hans Möckel.
83:37
Es spielte das Basler Unterhaltungsorchester unter der Leitung des Komponisten. Das Manuskript verfasste Werner Wollenberger. Regie führte Hans Hausmann. Musik
84:15
Susanne. Wolfram. Die Ferimer Folgen haben im Archiv ja keine eigenen Titel. Richtig. Deswegen darf ich mir mal einen überlegen pro Folge. Hier bin ich geschwenkt zwischen dem Dreh und der Katze.
84:28
Nachvollziehbar.
84:29
Senta Traupel hat sie dargestellt. Sie kommt ja kurz am Schluss nochmal wieder nach der Folge.
84:36
Aber du hast dich dann dagegen entschieden, weil es schon eine grauen Folge mit Die Katze gibt?
84:41
Unter anderem, ja. Und weil auch, ich finde jetzt einfach, ist ja immer eine Frage, wie stellt man Tiere da im Hörspiel? Ich bin, die ist jetzt hier nicht ganz so gelungen, möchte es in der Traupel nicht zu nahe treten. Aber ich finde, man hört doch sehr die Schauspielerin, die die Katze mimt.
84:59
Ich habe tatsächlich mehr auf die Musik gehört in dieser Episode. Ich glaube, da hat sich Hans Möckel aller Zügel und Fesseln befreit. Da konnte er so richtig malerisch über die Tasten gleiten und fallen und erschrecken. Und bestimmt war es seine Lieblingsfolge.
85:20
Was ist denn deine Lieblingsfolge von den Vieren, die wir heute gehört haben?
85:24
Ich habe das ja schon gesagt, ich fand ja die zweite großartig und ich bin jetzt ein bisschen hart gefallen, muss ich so zugeben. Ich fand das jetzt nicht die stärkste Ferimar-Folge, was schon wieder toll ist, weil dann freue ich mich auf die nächste. Und von diesen vier Geschichten, die Katze hat es mir wirklich am wenigsten angetan, weil du hast schon recht, das bleibt so. so ein bisschen im Abstrakten, weniger im Einfühlraum. Bei der ersten fand ich es stark, als dieser junge Mann auftritt, diese Stimme. Ich dachte, der sagt jetzt, ich bin Etzel Andergast.
85:57
Kannst du dich erinnern beim Fall Mauritius? Der Sohn des Staatsanwalts hat seine großen pathetischen Monologe und ist derselbe Schauspieler. Und ich fand es so großartig, das war jetzt kein Horror, entschuldigt, aber das hat mich für diese Geschichte so eingenommen, weil ich diese Stimme so mit dieser Figur Etzel verbunden habe. Ich fand es so geil, der ist auf der Flucht und sagt, lassen Sie mich rein, ich bin Etzel an der Gast.
86:22
Die fand ich ganz gut, weil es auch so angedeutet wird, er hat so ein rotes Mal zwischen den Augen und allein diese Bezeichnung, dass es jetzt nicht ein Einschussloch ist, fand ich irgendwie dämonisch, fand die ganz gut. Die klappert halt so ein bisschen im Verhältnis der Lautstärke zum Beispiel zwischen Rufen und Schüssen, die abgegeben werden und Polizisten, die sofort erscheinen, aber erst dramaturgisch zehn Minuten später dann wirklich in der Szene auftauchen.
86:50
Deine? Hey, darf ich noch zu der Folge was sagen? Was mich bei der beschäftigt hat, eigentlich beim Ganzen wird ja immer wieder benannt, die Nachkriegszeit. Also vor allem auch die deutsche Nachkriegszeit.
87:02
Und ganz explizit.
87:03
Genau, ganz explizit. Also die drei ersten Folgen, eigentlich drei Schauspieler, die in einem Haus hocken in Bayern und eigentlich nichts zu tun haben, keine Aufträge. Es wird auch mal gesagt, bei der Folge in Berlin ist es, glaube ich, mit dem Club der 13.
87:20
Diese Schabernacktreib in den 30er Jahren, denkt man wahrscheinlich noch vor der Nazi-Herrschaft, vor 33 Jahren, auch nicht ganz klar. Jetzt gerade bei der ersten Folge Wenn ich höre Nachkriegszeit und da wird jemand verfolgt und bekommt sein Häscher nicht los, bei mir ist da trotzdem der Film abgelaufen, okay, der Mann, der unbedingt Einlass braucht, der so Angst hat, der auf der Flucht ist, der hat ein Verbrechen im Dritten Reich begangen, Schuld auf sich geladen, vielleicht Nazi und wird jetzt verfolgt von seinem Opfer.
87:52
Mhm.
87:55
Also bei mir ist es wirklich total dieser, weil mir diese Schuldfrage einfach so groß war, Schuld und Flucht und sich verstecken und nicht aufgedeckt werden und war dann fast etwas enttäuscht, sozusagen, dass man dieses Nachkriegsthema so groß macht, aber dann...
88:11
Da war es einfach eine normale Schießerei in einer Kneipe. In einem Bums-Lokal. Verfolgt ihn noch der Tote, der Geist. Also da finde ich, macht es wie sowas Großes auf und dann geschieht gar nichts damit. Und ich finde, das geschieht für mich immer wieder bei der Folge von 1954. Eigentlich doch schon neun Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Doch schon, kannst du, ja, relativ. Ja, nicht komplette Nachkriegs, also ich meine, mir ist ein bewusster Entscheid, immer wieder auf die Nachkriegszeit zu rekurrieren.
88:45
Hätte man 1954 nicht machen müssen, nicht von 1947, das meine ich. Und dann finde ich, wird es immer wieder so benannt, aber dann irgendwie doch alles Schlimme, was passiert ist, so weggeschoben oder ausgeblendet.
89:01
Ja, mich hat es auch ein bisschen gewundert. Ich habe überhaupt nicht so die Assoziation gehabt wie du. Ich habe mich da schnell wieder so blind gestellt, wie die Folgen sonst ja eigentlich politisch auch sind. Aber es ist mir auch aufgefallen. Also ich war bei dem, war ich bei ETH Hoffmann und Schatten und Doppelgänger und sowas. Und habe gar nicht an so einen konkreten...
89:24
Vergleich gedacht oder an so eine Geschichte. Aber was mir auch aufgefallen ist, eben auch diese explizite Benennung von Wien. Natürlich, dass sie haben den dritten Mann und diese Kanalisation einfach zitieren wollen und das als visuelles Bild hervorrufen wollen. Vielleicht waren sie dann gezwungen, in anderen Geschichten das auch konkreter zu verorten, aber mich hat es auch gewundert. Also schon allein, wenn Währung genannt wird, wenn sie so sagen, D-Mark, da schreckt man so auf und denkt, stopp, stopp, stopp, stopp, stopp, ich bin in der Ferimar-Welt, ja. Da gibt es nur Geld.
89:58
Und um auf eine andere Frage zurückzukommen, meine Lieblingsfolge war dann, glaube ich, dennoch die mit dem Torero.
90:12
Weil so eine schöne Liebesgeschichte oder so eine schöne Affäre da gezeichnet wird. Zwischen Urlauberinnen und heißblütigem Spank.
90:19
Also sie ist ja zum Arbeiten da, muss man schon sagen.
90:22
Das merkt man beim Frühstück, abends im Restaurant.
90:27
Aber sie bringt ihn nur nach Hause. Sie geht dann wieder.
90:29
Hallo, die frühstücken zusammen. Das ist für mich eindeutig.
90:36
Ich höre da wirklich mit ganz jugendfreien Ohren zu. Da denkt man ja gar nichts.
90:39
Und die Authentizität seiner Sprache und Auftretens war für dich so überzeugend?
90:45
Rainer Litten als Toreo. Hey, ich finde natürlich der Exotismus quasi, der damals nur bis nach Spanien gereicht hat, quillt natürlich aus jeder Sekunde dieses Kurzierspiels.
91:01
Aber, was mir gut gefällt, es hat ja sowas leicht Final Destination mäßiges, jetzt der Horrorfilm, dass ja die Geschichte ist, glaube ich, beim ersten Teil Leute eigentlich einen Flug nehmen sollen und der stürzt ab. Und ein paar haben ab dem letzten Moment den Flug eben gerade nicht genommen, sind dem Tod quasi mal von der Schippe gesprungen und den ganzen Film können wir dann zuschauen, wie der Tod sich doch noch einen nach dem anderen holt.
91:27
Und die Leute können sich immer größte Mühe geben, alles Gefährliche wegzusperren und am Schluss geht es dann irgendwie doch noch immer durch den Unfall weiter.
91:35
So aus. Und das, finde ich, macht das Hörspiel gar nicht so schlecht. Man ahnt natürlich vieles. Okay, 17. September. Erst wird er keinen Kampf haben. Dann kann er doch wieder nichts sagen wegen seiner Torero-Ähre. Dann kommt es zum Kampf. Er wird ja auch so dargestellt, dass der Mann durch die Angst paralysiert ist. Er hat schon zwei, drei Momente, wo er denkt, jetzt hat er ihn gleich, jetzt stirbt er.
92:01
Dann erwachen die Kampfs- und Lebensgeister. Denkt man, jetzt nimmt er zu viel. Wer wird jetzt sterben? Auch nicht. Und natürlich ahnt man am Schluss, dass es ihn doch packen wird, dass er dem Tod nicht von der Schippe springen kann. Aber wie es dann geschieht?
92:16
Man weiß nicht wann.
92:17
Genau. Ich dachte erst noch, okay, er ist verletzender Bar. Er wird eine Blutvergiftung haben und so verhindern. Und dass er einfach nur raustritt und dann von dem Auto umgefahren wird, gefällt mir.
92:26
dass es dann zweitens noch die junge Frau ist, die über ihn gesprochen hat beim Kampf.
92:32
die gesagt hat, der hat doch Angst. Und es ist drittens der Name, der immer wieder auftaucht. Finde ich dann doch in diesem so, du entkommst deinem Schicksal nicht, finde ich es dann wirklich noch ganz hübsch gebaut.
92:45
Und du hast recht, Gisela sagt, sie ist ja zum Arbeiten dort und sagt, sie hat den Film gedreht, wie sich ein Fünfjähriger Spanien vorstellt mit allen Klischees. Das ist quasi auch schon Pre-Shadowing für diese Episode. Also sie haben sich selber ein bisschen auf die Schippe genommen wahrscheinlich.
92:59
Ja.
92:59
Das stimmt auch. Was mir übrigens auch gefallen hat, gerade da, es wird eher viel in Kneipen gesessen, in diesen Folgen, dass sie so sagen, ja, das ist der Local, quasi unser, der Torero, der kann uns überall hinführen, weil er alles so gut kennt und am Schluss hocken sie dann immer nur in billigen Kneipen mit schlechtem Wein. Das hat mir auch noch gefallen. Also wahrscheinlich ist dann keine Touristenknülle, sondern eine einheimische Knülle mit schlechtem Fusel.
93:28
Hey, jetzt haben wir ganz schön über die Geschichten unsere Meinung ausgeschützt. Wie gefällt dir denn der Dreh, das Set, das Grundsetting?
93:40
Mir gefällt es eigentlich ganz gut. Ich muss sagen, ich glaube, ich habe doch etwas mit dem Regisseur mitgelitten. Schürzlich? Ja, also ich meine, er ist natürlich schon arrogant, aber ich finde, wenn die drei dann einmal angefangen haben zu sagen, alles blöd und langweilig, dann finde ich, machen sie wirklich bei jeder Gelegenheit noch einen Spruch. Und drücken ihm eins rein.
94:00
Ja, aber hallo, er ist ja nicht nur Regisseur, sondern auch Autor. Er weiß genau, was er dort veranstaltet und offensichtlich haben sie ja schon 17 Aufnahmen vorher gemacht. Das ist ja, finde ich, ganz schön am Anfang, finde ich, eines der besten Szenen in dem Ding, wo er seine verschiedenen Lacher vorspielt.
94:17
So viele Versionen sind sie schon durchgegangen. Ich finde es auch toll, dass der Regisseur keinen Namen bekommt. Es einfach nur hat er sich wahrscheinlich auch nie anders vorgestellt als mit, ich bin der Regisseur. Und sie machen ja trotzdem alles mit. Dann doch. Natürlich sagen sie sehr deutlich nur wegen des Geldes. Aber...
94:34
Du hattest das ja in der Anmodi, was passiert denn, wenn Leute, Schauspielende sich dem Text verweigern? Es ist ja nicht so, dass sie jetzt hier hinwerfen. Sie motzen zwar, aber er lässt das ja an sich abprallen wie eine Ente das Wasser.
94:48
Aber es wird dann schon viel gequatscht, statt gearbeitet, statt gedreht.
94:53
Ja, und Scheinwerfer an ausgestellt, ist auch super im Hörspiel.
94:57
Nein, ich finde den Rahmen ganz nett. Ich finde sogar mutig, so offen zu benennen, die Gruselgeschichte finde ich jetzt langweilig. Weil ich finde, man geht auf so eine Metaebene, wo alles bewertet wird. Und dann die einzelnen Geschichten, die ich dann von den Leuten bekomme...
95:19
Also genau gleich gut sind die dann auch nicht alle. Jetzt zum Beispiel die in Berlin, die hat mich jetzt nicht ganz so überzeugt.
95:24
Das ist auch lustig, weil genau das ist… Na gut, das ist nicht die Fake-Geschichte vom Regisseur selber, die Erfundene.
95:31
Ja stimmt, der kann sich gar keine anderen Gespenster vorstellen, als hier jemand weiß geschminkt mit dem Laken. Nicht mal geschminkt, ja. Genau, mit dem Kopf unterm Arm, genau.
95:43
Ja, aber ich finde, man macht da so die Diskussion. Ja, das stimmt.
95:46
Das bleiben Sie ein bisschen schuldig, was denn moderne, jugendliche Gruselgeschichten für Sie eigentlich bedeuten.
95:52
Ja, das stimmt. Und dann bekomme ich halt auch einfach noch mehr Geschichten. Halt ohne Mensch im Leintuch.
96:01
Aber der Rahmen ist auch hier wieder schön geschlossen, dass aus der Geschichte ein Versatzstück hier am Ende auftaucht.
96:07
Zwei.
96:08
Zwei.
96:10
Die Katze und das Zweite?
96:11
Eigentlich auch das lachende Gespenst.
96:12
Ah ja, natürlich.
96:14
Eben gerade aus Berlin. Und auf einmal klappt es auch mit dem echten... Auf einmal kann auch die Schauspielerin wirklich gut Angst spielen, wenn sie nicht mit ihnen muss.
96:23
Zack doch nicht schon wieder auf der Frau rum. Die hat es schwer genug gehabt.
96:26
Die hat es wirklich schwer genug in der Folge. Nein, und auf einmal haben wir das gute Lachen, haben wir die Katze. Da wird schon zugemacht.
96:32
Du hast recht.
96:33
Ich bin gespannt, ob sich das durchzieht. Den Sack zuzuschnüren.
96:38
Wunderbar. Wir hören uns schon morgen wieder mit einem Krimi.
96:43
Oh Gott, jetzt geht es aber langsam durcheinander mit einem Mehrteiler.
96:46
Mit der zweiten Folge der fünf toten alten Damen.
96:50
Genau. Bis zum nächsten Mord. Macht's gut.
97:09
Das war ein Podcast von SRF.
97:12
Produziert im Auftrag der SRG.